Cyclingworld 2026 live – Wann wird das Fahrrad zur ersten Wahl? – 219
Shownotes
Hans und Thomas waren live auf der Cyclingworld 2026. Ihre Frage: Warum greifen im Alltag immer noch so viele Menschen zuerst zum Auto – obwohl sie eigentlich Rad fahren wollen? Mit Heather Kaths (Uni Wuppertal) und Frank Regge (Busch + Müller) sprechen sie darüber, was sich ändern muss: beim Verhalten, beim Fahrrad – und im System. Hört rein. Es ist spannend.
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##: Intro
00:00:02: **Heather Kaths:** Wenn man nach Autoverkehr schaut, wir wissen so viel über Autofahrer. Wie warm soll das sein in dem Auto, wo sollen die unterschiedlichen Knöpfe sein, wie hart sollen die sein so weiter. Wir bauen Fahrräder und machen das wie... wie wir das fühlen, wie sieht das gut aus? Aber bis wir wirklich verstehen, was wollen Radfahrer dann ist es ganz schwierig, ein System aufzubauen oder die Technik optimal aufzubauen, dass das wirklich eine Wirkung hat.
00:00:35: **Frank Regge:** Wenn du einen Rückspiegel hast, macht das das Fahrradfahren für jede Altersgruppe direkt deutlich leichter.
00:00:44: **Heather Kaths:** Das hilft auch beim Radverkehr wenn man eine Person auf ein Fahrrad setzen kann.
##: Vorstellung Thema und Gäste
00:00:50: **Thomas Dorsch:** Name ist Hans Dorsch. Guten Und meiner Thomas. zusammen den Fahrrad-Podcast Fahrradio. Und heute haben wir uns gedacht, wir machen das Ganze mal live und später dann als Aufzeichnung. Dazu haben wir uns ein Thema ausgesucht Das heißt... Steht sogar hier. Wann wird das Fahrrad zur ersten Wahl und was müssen Fahrrad Infrastruktur und Politik dafür leisten? Da haben wir uns zwei Gäste zu ausgesucht. Der erste Gäst bzw. die erste Gästin ist Heather Kaths. Sie ist Professorin für Radverkehr an der Bergischen Universität Wuppertal und beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen Verkehrsmittel wählen. Und welche Rolle das Fahrrad auch dabei spielt. Der zweite Gast ist Frank Regge. Er ist Technical Support bei Busch & Müller. Das ist ein Unternehmen, die stellen zum Beispiel Beleuchtung Spiegel und seit relativ neuer Zeit auch Blinker für Fahrräder her. da wird er uns sicher später mehr erzählen darüber.
##: Kann das E-Bike das Auto ersetzen?
00:01:58: **Thomas Dorsch:** Ich habe vor zehn Jahren mit Michael Covill-Anderson gesprochen. Das ist ein relativ bekannter Verkehrsplaner Er hatte einen Blog, Kopenhagen heißt. Kümmert sich darum auch das Fahrrad als Verkehrsmittel voranzubringen. Und wir haben über das E-Bike gesprochen und er hat gesagt,
00:02:19: **Hans Dorsch:** ihm hat noch niemand erläutern können, dass Autofahrer aus dem Auto rausspringen wie kleine Elfen jubeln und dann fröhlich aufs Fahrrad steigen.
00:02:33: **Thomas Dorsch:** Ich bin mir nicht ganz sicher. Stimmt das wirklich? Heather, also mal abgesehen von den Feen, aber steigt niemand um?
00:02:45: **Heather Kaths:** Doch, über eine längere Zeit schon. Man sieht das in vielen Städten wo die Situation sich einfach ändert. Ich bin in Deutschland in 2009 angekommen, in München. Und damals gab es Radfahrer man hat die gesehen und nicht richtig wenig. Aber in den zwölf Jahren... Die ich da war, das ist wirklich viel, viel mehr geworden. Das Autofahren ist Stück für Stück weniger angenehm geworden und die Radwege sind immer besser. Man hat das einfach viel öfter genutzt. Und man kann das wahrscheinlich von heute auf morgen nicht erwarten dass alle sagen, eigentlich habe ich keine Lust auf mein Auto. Ich fahre nur mit dem Fahrrad von jetzt an. Aber Uber eine längere Zeit und schon.
00:03:30: **Hans Dorsch:** Heather, du hast eine Studie gemacht, in der du gezeigt hast, dass E-Bikes öfter, also Das Auto ersetzen als normale Fahrräder Kannst du kurz was zu der Studie erzählen?
00:03:45: **Heather Kaths:** Ja sehr gerne. Wir haben in Deutschland eine super Datenlage, Mobilität in Deutschland heißt das. Und da werden von überall Wege gezeichnet So, wo ist man hingegangen, mit welchen Verkehrsmitteln, wie alt ist man, was für eine Person, so viele Fragen. Und das gibt uns in Deutschland ein... Ziemlich guten Einblick, wie Verkehrsmittel genutzt wird. Und wir haben da E-Bikes und normale Fahrräder untersucht. Wann wird ein E-Bike genutzt und ist diese Nutzung anders als von einem normalen oder einem Fahrrad ohne Motor? Und da haben wir viele Sachen herausgefunden, aber mit unserem Modell konnten wir schauen, wenn die E-Bike oder E-Bikes nicht mehr zur Verfügung stehen würden, wie wurde die Reise denn durchgeführt. Und viele von den Reisen mit den E-Bikes, wir waren... Das kommt ein bisschen darauf an, welches Modell aber zwischen 60 und 80 Prozent wären mit einem Auto gefahren. Und der Grund dafür ist, dass die Entfernung, die man schaffen kann, ist irgendwo in der Mitte zwischen einem normalen Fahrrad und einem Auto. Und deswegen sind viele Reisen einfach mit dem Auto. Gemachte Wesen ohne das E-Bike. Und das hat uns sehr überrascht und wir waren sehr glücklich weil die ganzen Daten vorher, die kamen meistens aus den Niederländern. Und in den Niederländern sieht das anders aus. Da ersetzen E-Bikes ganz klar normale Fahrräder. Aber das scheint anders in Deutschland zu sein. Aber jetzt haben wir neue Daten aus 2023 und da sind wir sehr gespannt, wie diese neue Welle aussieht weil die Daten oder die Studie war von 2017.
00:05:23: **Thomas Dorsch:** Frage an dich. technischen Entwicklungen haben in den letzten Jahren den für Alltagstauglichkeit und Sicherheit gemacht?
00:05:33: **Frank Regge:** Also das Elektrorad, was vor einigen Jahren mächtig an Fahrt gewann im Markt, das hat zu vielen interessanten neuen technischen Dingen geführt. Also neue Dinge, die man vorher so nicht kannte am Fahrrad. Ich meine, wir dürfen nicht vergessen, das elektrische Fahrrad ist in der Regel, zumindest in Deutschland, ein juristisches Fahrrad. Und das juristische Fahrrad war lange Zeit stiefenmütterlich technisch ausgestattet Da hat sich in den letzten Jahren massiv viel getan. Und ganz, ganz viel an Innovation und technischer Neuerung beim Fahrrad kam übers E-Bike kam übers Pedelec. Man spricht da so ein bisschen, oder sprach so ein bisschen böse darüber, ja, durch die Motorräder. Der Fahrräder hat sich einiges runtergebrochen an Technik Wir haben heute ABS am Fahrrad, ja, wir haben Fernlicht am Fahrrad wir haben Bremslicht am Fahrrad aber auch am normalen also am E-Bike, aber auch am normalen Fahrrad. Das sind alles Dinge, die man sich früher hätte gar nicht vorstellen können. Und da hat das... Das elektrische Rad hat einiges Gutes gebracht, auch für das normale Muskelrad. Ich bin Ich bin hier kein Verfechter von der Elektrifizierung der Räder, sondern ich finde, beide sind wichtig. Das Muskelrad ist an vielen Stellen das günstigere und deutlich zuverlässigere Fahrzeug. Auch das nachhaltigere Fahrzeug selbstverständlich. Das E-Bike ist für mich nicht per se nachhaltig Da gibt es durchaus kritische Punkte Aber vieles kam aus diesem Bereich und hat sich runtergebrochen und macht dadurch auch das Fahrradfahren deutlich sicherer im Allgemeinen.
00:07:23: **Thomas Dorsch:** Und du kommst ja aus Stuttgart, da gibt es noch einen Punkt. Ja
00:07:27: **Frank Regge:** genau, nämlich die Topografie
00:07:30: **Thomas Dorsch:** hält
00:07:31: **Frank Regge:** ja...
00:07:32: **Thomas Dorsch:** Ich lebe in Stuttgart und da war schon früher irgendwie ein Thema, die Berge da habe ich eigentlich keinen Bock zu fahren. da hat ja schon einiges gebracht. Wie stark verändert der Motor die Nutzung in hügeligen Städten Kannst du da was sagen?
00:07:54: **Heather Kaths:** Ja, sehr gerne. Ich habe auch in Stuttgart gelebt. Ich habe da ein Austauschprogramm gemacht und auch die Steigung gemerkt. Aber das ist fast nichts im Vergleich mit Wuppertal, wo ich jetzt wohne wo man richtig sagen kann, wo Bergen sind. Und das sagt die Daten auch. Da kauft man viel weniger ein normales Fahrrad. Aber der Besitz von E-Bike oder einem Pedelec hängt nicht zusammen mit der Steigung. Das ist genauso wahrscheinlich, dass du in Stuttgart oder ich in ein E-Bike besitze als eine Person, die in Münster wohnt. Also das hat keine Wirkung und das ist eine super Chance für Städte, die sehr hügelig sind. Und wir sehen die ersten Beispiele von Städten, die wirklich was machen für E-Biker. Unser Problem in Wuppertal zum Beispiel ist, dass wir keine Infrastruktur für den Radverkehr haben. Das war vorher nicht so richtig möglich, mit einem Fahrrad zu fahren und deswegen haben die nicht so viel für den Radverkehr gemacht. Ähnlich in Stuttgart ein bisschen weniger vielleicht. Und jetzt mit E-Bikes ist das auf einmal möglich, dass Menschen mehr mit dem Fahrrad unterwegs sind. Und dann ist man ein bisschen hinterher mit Radwegen, Parkmöglichkeiten die ganze Infrastruktur die man braucht für den Radverkehr. Aber wenn man zum Beispiel nach Zurich schaut, die haben richtig viel gemacht. Und das ist eine Stadt, die auch steil ist, aber viel Radverkehr ist unterwegs. San Francisco ist auch ein Beispiel. USA ist immer ein bisschen schwierig, aber man sieht nach und nach, dass Städte, die hügelig sind, jetzt mit E-Bikes auch eine Chance als Radverkehrsstadt haben.
00:09:30: **Frank Regge:** Darf ich da eine
##: Radverkehr in Metropolen: Paris & Amsterdam
00:09:31: **Frank Regge:** Frage stellen, die mich selber dann interessiert wenn wir gerade über Metropolen sprechen, über Städte. Wie macht Paris das? Wie hat Paris das geschafft, unter die Top 5 in der Welt zu kommen? Eine Stadt, die wir, wer Paris kennt, der weiß, dass es auch... Eine sehr chaotische Stadt sein kann, auch vom Verkehr her. Aber wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass Paris mächtig aufgeholt hat, was den Radverkehr angeht was den Split, also den Anteil an Radverkehr im Straßenverkehr angeht. Und das finde ich bemerkenswert. Und da habe ich jetzt natürlich keine wissenschaftlichen Hintergründe, weil das nicht meine Agenda ist, aber das würde mich interessieren Wie hat Paris das geschafft?
00:10:09: **Heather Kaths:** Ja, Paris wird fahren übernächste Woche dahin um das anzuschauen Weil das ist echt... Ich würde sagen, das ist politischer Wille gewesen. Da sind viele Menschen in Paris gewesen, die wollten nachhaltiger oder mit selber ihrer selber Kraft oder ankommen. Und die haben endlich gesagt, nee, wir brauchen weniger Platz für den Autoverkehr und mehr Platz für den Radverkehr Punkt. Viele waren nicht damit zufrieden erst mal, aber die haben sich daran gewöhnt Und jetzt geht das viel besser und viel schneller. Aber man kann das auch für viele andere Städte sagen. Amsterdam war nicht immer ein Fahrradstadt. Die haben irgendwann in den 70er Jahren eine Kampagne gehabt, Sicherheit für die Kinder. Und dann haben die gesagt, für Kinder brauchen wir Plätze, wo kein Auto erlaubt ist. Und mit dieser Änderung haben die mehr und mehr Radverkehr bekommen seit 50 Jahren. Und Paris hat jetzt diese Änderung jetzt genommen. Und jede Stadt kann sich irgendwann dafür entscheiden und dann kann das schnell gehen.
00:11:10: **Frank Regge:** Also politisch gewollt habe ich es Ja
00:11:13: **Heather Kaths:** ich sagen. hast andere Meinung dazu?
00:11:15: **Frank Regge:** Nein aber durch politischen Willen kann man viel bewegen, stelle ich an der Stelle fest. das gilt für Paris als Millionenmetropole genauso wahrscheinlich wie für kleine Dörfer oder kleine Gemeinden oder für Mittelstädte und so weiter. Also das ist, glaube ich viel politischer Wille
00:11:30: **Thomas Dorsch:** Ich wollte da später noch drauf kommen, weil da gibt es noch eine andere Studie dazu, die ich kurz besprechen wollte. Aber lass uns gleich mal auf dem Land bleiben. Du Du Du Du
##: Das Fahrrad auf dem Land & Topografie
00:11:41: **Thomas Dorsch:** lebst ja selbst auf dem Land. Wir haben jetzt einmal hügelige Topografie und dann... Auf dem Land? Sind es da mehr die Entscheidungen oder was macht es aus?
00:11:52: **Frank Regge:** Also wenn ihr das Wort Topografie in den Mund nehmt ich wohne in Drohlshagen im Sauerland, also ich habe nicht die Steigungsgrade wie in Wuppertal vom Tal auf den Berg hoch, ich kenne Wuppertal auch sehr gut, Heather hat Kinder, ich habe Kinder. Wir haben gerade eben draußen darüber gesprochen. Auch ich bin mit dem Kinderwagen, also mit dem Chariot mit dem Anhänger mal im Sauerland mit meinen Zwillingen angetreten mit dem Muskelbike. Da war ich auch noch ein bisschen jünger und noch ein bisschen fitter. Ja, ich gebe es zu. Das kann man machen. Aber tatsächlich, ja, die Elektrifizierung auch da ist eine Hilfe auf dem Land, wo ich lebe. Da auf dem Dorf in der Gegend ja. Wenn ich zum Einkaufen fahre und das passt bei mir, dann nehme ich gerne das Lastenrad, das elektrifizierte Lastenrad. Ich habe einfache Strecke sechs Kilometer zum Einkaufen bei mir, um was für den Kühlschrank zu besorgen. Und das mache ich sehr gerne. Wäre mit dem Biobike, also mit dem normalen Rad für mich schon wieder deutlich anstrengender. Ich habe 150 Höhenmeter. Auf der Rückfahrt hinzu geht es immer schneller. Komischerweise habe ich es noch nicht verstanden wieso. Aber zurück dauert es immer länger. Aber ihr versteht was ich meine. Also auch mir auf dem Land mit Topografie, ich habe da auch meine eigenen Geschichten, wie ich das besser und angenehmer hinbekomme. Effizienter auch. Wie
00:13:18: **Thomas Dorsch:** viele Lastenräder sind außer deinem unterwegs?
00:13:22: **Frank Regge:** das Lastenrad im Sauerland ist ein seltenes Vehikel. gebe zu, du siehst ganz viele elektrifizierte Fahrzeuge. Die Leute kommen mit ihren Trägern vorgefahren mit dem Pkw am Listersee, am Biggesee und packen die Räder runter und fahren dann einmal um den See rum und fahren dann wieder nach Hause. Das war jetzt ein bisschen böse von mir. Aber man sieht ganz, ganz viel elektrifiziert in der Zwischenzeit auch in unserer Region. Wir haben ja auch Tourismus bei uns da am Biggesee, in Olpe und so weiter in Umgebung da lebe ich ja. Und du siehst, gefühlt findet dort die Fahrradmobilität nur elektrifiziert statt. Und wenn du an Lastenrad denkst da bist du ein Exot Ja, ich bin mal vor Jahren mal, ich fahre auch Liegerad, ich bin mit dem Liegerad und mit dem Hänger unterwegs gewesen mit unserem ältesten Kind, das ist schon ein paar Tage her, da hörte ich hinter mir nur so Leute, also ein Liegerad und ein Hänger, also ganz kurz, für die, die es wissen, was das heißt, da bist du im Sauerland, bist du was der Bauer nicht kennt, also hinter mir hörte ich nur Leute, muss ein Holländer sein, also Dinge, die du im Sauerland nicht vor Ort hast.
00:14:34: **Thomas Dorsch:** Genau, Heather, hatten wir das Liegerad noch als Kategorie, du beschreibst das E-Bike nicht nur als schnelleres Fahrrad, sondern eine eigene Fahrzeugkategorie Was stelle ich mir darunter vor?
00:14:51: **Heather Kaths:** Ja, ein E-Bike ist nicht gleich ein E-Bike. Es gibt ein Spektrum an Fahrzeugen Man sieht das hier ganz, ganz gut, was ist möglich an Technik und Formen und Anwendungen, wo man das einsetzen kann. Wir haben zu Hause kein, so ein Longtail E-Bike Ich glaube, das ist ein Lastenrad, weiß ich nicht. Man fährt wie ein normales Fahrrad und das ist ganz gut in bergigen Bereichen, weil die Straßen sind auch eng und teilweise muss man schnell mal biegen und dann den nächsten Berg hochsteigen und das funktioniert einfach besser. Man muss einfach schauen, was für ein Fahrzeug passt am besten für die Anwendung die man hat dafür. Und vielleicht ist das ähnlich mit einem Fahrrad und ein schnelles Fahrrad ist ein ganz okay, der Vergleich ist passend und vielleicht nicht, wenn das ein größeres Ding ist und wenn die Dynamik wie man das fährt, sehr unterschiedlich ist, wenn das viel mehr Platz braucht zum Fahren, aber auch zum Parken dann muss man ein bisschen anders denken, wie man die Infrastruktur oder die Parkmöglichkeiten aufbaut.
00:15:54: **Thomas Dorsch:** Du hast ja vorhin schon erwähnt dass das E-Bike neue Techniken ermöglicht hat. Bleiben wir mal dabei, wenn Menschen zum Beispiel aus Auto umsteigen wollen, dann haben sie ja so bestimmte Bedürfnisse Sicherheit ist ein großes Bedürfnis. Komfort oder Personen Sachen mitnehmen. Was fehlt da? Den fahre ich dann heute noch, damit sie so mehr Richtung Auto kommen.
00:16:26: **Frank Regge:** Na, diese Schwelle. Etwas zu nutzen, die muss einfacher werden für solche Fahrzeuge um den Schwung oder den Sprung vom Verbrenner oder vom elektrifizierten Fahrzeug, also ich rede jetzt vom Auto, zu einem Fahrrad zu schaffen, also das muss niedrigschwelliger werden. Komfort hast du ja heute bei Rädern, also du findest heute ganz komfortable Räder. Das ist kein Hexenwerk. Sie müssen einfach zu bedienen sein. Sie müssen nicht technisch... Überfrachtet sein. Das dürfen sie nicht, meiner Meinung nach. Du kannst zwar neue Technik haben, die wir ja auch bringen, aber die muss dann auch funktionieren Die muss einfach sein. Und wenn das gegeben ist, macht das den Umstich noch mal deutlich leichter glaube ich. Aber ich glaube, es fängt erst mal im Kopf auch an, dass jemand darüber nachdenkt Das ist das eine. Dann musst du in deiner Ortschaft Die Möglichkeiten haben, infrastrukturell. Du musst Radwege haben, die müssen sicher sein. Stichwort, was du gerade sagst, Sicherheit. Ein ganz wichtiger Punkt ist der sichere Verkehrs oder Fahrradstreifen oder der Fahrradbereich, der wirklich sicher ist.
##: Spiegel und Fahrradzubehör
00:17:32: **Hans Dorsch:** Ja, da kommen wir gleich noch dazu. Ich wollte dich fragen, ihr verkauft zum Beispiel Rückspiegel und ich habe gesehen, dass gerade so ältere Menschen, die bei dem E-Bike ja Vorreiter waren, die die zuerst benutzt haben dir... Wir nutzen häufig Spiegel am Fahrrad. Das sieht man sehr selten aber das ist doch ein Sicherheitsaspekt oder?
00:17:56: **Frank Regge:** Also wenn du meinst das ist selten sehe ich das nicht so. Ich finde, das hat die letzten Jahre enorm sprunghaft zugenommen. Auch das sehen wir bei uns beim reinen Verkauf von Spiegel-Systemen Das ist ganz stark gestiegen die letzten Jahre. Es Es hat immer noch so ein bisschen leider den Nimbus der älteren Fahrradfahrer das halte ich für totalen Blödsinn, wenn du einen Rückspiegel hast, macht das das Fahrradfahren für jede Altersgruppe direkt deutlich leichter. Es kam so ein bisschen daher vielleicht, dass ältere Herrschaften sich nicht mehr so gut drehen können und so weiter. Ja, das merke ich auch. Ich werde nicht jünger Das ist, das halte ich grundsätzlich halte ich das für eine vorgeschobene Geschichte. Schau mal, es andere, es Es gibt Systeme heute elektronischer Art, die zeigen dir an, ob von hinten per Radar ein Fahrzeug kommt. habe ich mit dem Rückspiegel auch. brauche ich keine Elektronik am Fahrrad für. Es
00:18:49: **Hans Dorsch:** funktioniert zuverlässig und das Schema ist auch bekannt und man braucht sehr wenig Technik dazu.
00:18:55: **Frank Regge:** Aber ich finde, wir verkaufen ziemlich gut. Also Spiegel sind sehr befragt.
00:19:00: **Thomas Dorsch:** Ja, gut.
##: Was brauchen Radfahrer wirklich?
00:19:02: **Heather Kaths:** Vielleicht mal kurz zurück zu der letzten Frage. Das ist eines von unseren größten Zielen am Lehrstuhl, mehr über das Verhalten von Radfahrern zu verstehen. Wenn man nach Autoverkehr schaut, wir wissen so viel über Autofahrer Wie warm soll das sein in dem Auto? Wo sollen die unterschiedlichen Knöpfe sein, wie hart sollen die sein, zu drehen und so weiter. Aber auch im Verkehr, wie können wir die Geschwindigkeit regeln auf Autobahnen, dass wir nie im Stau stehen und Zuflussregelungen und so weiter. Wir haben einfach Wissenschaft seit dem Jahr 1930, so wirklich 100 Jahre von Forschung und Studien, die uns viel gesagt haben. Und für den Radverkehr kennen wir einfach viel weniger. wir bauen Fahrräder und machen das wie... Wie wir das fühlen wie sieht das gut aus? Aber es gibt so wenige Studien, die zeigen, sollte hier eine Geschwindigkeit zu sehen sein an dem E-Bike oder lieber hier unten auf dem Frame oder gibt es das besser hier vorne? Es kommt nach und nach, aber bis wir wirklich verstehen, was wollen Radfahrer und es gibt nicht die eine Person, was dafür ein Radfahrer repräsentieren kann. Es gibt unterschiedliche Arten von Menschen, die unterschiedliche Sachen erwarten und brauchen. Und bis wir das wirklich wissen, was die brauchen an ihrem Fahrrad und was die brauchen an der Infrastruktur was die Brauchen bei ihrer Arbeit, Bis ist es notwendig eine Dusche zu haben oder reicht das völlig aus, wenn ein Parkplatz in einer Käfig da ist. Bis wir die Wissenschaft haben, dann ist es ganz schwierig, ein System aufzubauen oder die Technik optimal aufzubauen, dass das wirklich eine Wirkung hat.
00:20:46: **Thomas Dorsch:** Genau, Heather, was du ansprichst was braucht man? Also das Radfahren selbst ist ja nicht nur das Fahren, sondern eben das Drumherum. Wie parke ich mein Rad? Steht es im Regen Ist es mit einer Kette abgeschlossen oder nicht? Was sind da so die wichtigen Sachen oder ist das in deiner Studie auch berücksichtigt?
00:21:18: **Heather Kaths:** Was da gebraucht wird, ist sehr abhängig von der Stadt oder wo man ist. Wir haben in Calgary, also ich noch in Kanada gewohnt habe, eine Studie gemacht und da waren die Parkmöglichkeiten richtig wichtig, weil Pfeiler werden gerne geklaut, das Wetter ist sehr schlimm manchmal. Das war einfach ein sehr wichtiges Ding, dass man ein Fahrrad richtig sicher abschließen könnte. Wir haben das Gleiche dann in München angeschaut und da fahren viele mit einfach einem Short-Rad oder einem Fahrrad was nicht so viel Wert hat und hin und her. Die brauchen kein E-Bike vielleicht und dann ist die Parkmöglichkeit die man hat, nicht so wichtig. Man kann das einfach irgendwo abstellen und an einem Zaun irgendwie festmachen. Und das Gleiche gilt für Duschen. Das kommt wirklich davon, wohin ich fahre. Gehe ich über Bergen in die Arbeit und dann muss ich den ganzen Tag arbeiten danach oder gehe ich kurz mal einkaufen? Das ist richtig sehr abhängig ist ein komplexes Thema, aber wichtig zu überlegen wenn man mehr Menschen auf den Pfad bringen möchte. Was mich manchmal in Wuppertal nervt wir haben inzwischen sehr gute Parkmöglichkeiten oder bessere Parkmöglichkeiten, weil das im Vergleich mit einem Fahrradweg ziemlich leicht zu implementieren ist. Wir machen einfach ein paar Ständer hier und dann sind die Fahrradfahrer sehr zufrieden und machen nicht unbedingt die Mühe um ein sehr notwendiges Radweg aufzubauen.
##: Verhaltensänderung: Überzeugung durch Erfahrung
00:22:44: **Hans Dorsch:** Weil ihr vorhin von Paris gesprochen habt. Ich habe auch vor einer Weile eine Studie gefunden, die war nicht von euch, aber geht es um Verkehrsverhaltensforschung. Wie man Nutzende beeinflussen kann und Da habe ich ein Zitat aus der Studie, das sagt: _Menschen fahren nicht Rad, weil sie überzeugt sind, sie werden überzeugt weil sie fahren._ Es gibt von Planern oder Aktivisten oder in der Politik, dass man die Menschen davon überzeugen soll, dass das Fahrrad zum Beispiel das bessere Verkehrsmittel ist. Aber das finden sie vielleicht, denken, wäre super, aber ich fahre doch lieber mit meinem Auto, weil das habe ich. Und sie bekommen die Einstellung dass das Fahrrad das bessere ist, wenn sie damit fahren. Sprich man muss da möglicherweise anders rangehen. Ist das eine Sache, die vielleicht Städte machen sollen, zum Beispiel mit, sagen wir mal, Einschränkungen, radikalen Einschränkungen für Autos? Ist das ein Mittel zum Beispiel?
00:23:50: **Heather Kaths:** Ja, das ist bekannt in vielen Städten. Es ist einfach bekannt, was man selber tut, nimmt man als gut wahr. Wenn man viel Süßigkeiten isst, dann denkt man, es ist eigentlich nicht so schlimm, dass ich so viel Süßigkeiten esse und wenn man das nicht macht, dann ist das eigentlich besser. Das kennen wir in vielen Bereichen und das Das hilft auch beim Radverkehr wenn man eine Person auf ein Fahrrad setzen kann. Nicht weil wir sagen, das musst du jetzt jeden Tag machen, aber aus Spaß oder einem Versuch oder irgendwas. Anders ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Person dann weiter fährt mit dem Fahrrad besser, als wenn man erst mal sagt, ja gut, es ist ganz wichtig, das muss man erst mal überzeugen dass das wirklich funktionieren wird. jeden Fall könnte man mehr Kampagnen machen, einfach heute fahren wir Rad in unserer Stadt und dann wird es vielleicht besser sein, als einige Menschen das erwartet haben. Das ist definitiv eine gute Möglichkeit
00:24:51: **Thomas Dorsch:** hattest glaube ich auch gemeint dass man politischen Druck ausübt.
00:24:57: **Hans Dorsch:** Ja so wie in Paris zum Beispiel. Wir müssen ja nicht gleich das Fahrrad nehmen. Es ist ja auch Fußverkehr zum Beispiel. Wenn ich ein eigenes Auto besitze und ich kann das nicht mehr direkt vor der Tür parken dann... Gewöhne ich mich vielleicht auch daran, nehmen wir mal an ich parke in einem Parkhaus einen Kilometer oder 500 Meter entfernt, dann gehe ich vielleicht die meisten Wege doch eher zu Fuß. Fällt das auch in das Thema?
00:25:27: **Heather Kaths:** man gewöhnt sich sehr schnell an viele Sachen. Wenn man etwas nicht mehr machen kann mit dem Auto, dann ist das erstmal ganz schlimm und dann ist das irgendwann normal. So sind Menschen.
00:25:39: **Thomas Dorsch:** Vielen Dank
00:25:40: **Frank Regge:** Ja, Heather hat das Beispiel von Süßigkeiten gerade gesagt. Ich meine, wir dürfen nicht vergessen, in Deutschland ist das Auto das goldene Kalb. Und das wird ja auch gerade, wir kriegen das aktuell mit, die Diskussion mit den ganzen Standorten der Automobilzulieferindustrie und den Automobilstandorten da zählt das Sauerland auch dazu. Das ist ein schwieriges Thema. Da geht es auch um Arbeitsplätze und solche. Aber es ist ein heißes aufgeladenes Thema. Und alles, was wir beim Auto... Vielleicht mit Verordnung oder mit Gesetzen ein Muss vorschreiben, das führt in Deutschland, glaube ich auch mal ganz, ganz schnell zu ganz erbitterten und heißen Diskussionen. Und ich bin weniger für Verbote. Ich habe ein grundsätzliches Problem in meinem Leben. Ich appelliere immer an den gesunden Menschenverstand eines jeden. Vielleicht ist das mein Problem. Und ich finde, wenn wir das anders angehen würden, jeder für sich. Fußgänger, Fahrradfahrer, Autofahrer, wie auch immer und jeder ein bisschen mal von seinem mal weggibt und dem anderen gegenüber freigibt, dann kommt man viel besser miteinander klar. Das ist meine Meinung, aber vielleicht bin ich da ein Einzelkämpfer.
00:26:59: **Thomas Dorsch:** Ich wollte euch beiden noch eine Frage zum Abschluss stellen, die heißt, was müsste sich in den nächsten
##: Abschlussrunde: Was muss sich ändern?
00:27:06: **Thomas Dorsch:** zehn Jahren am stärksten verändern, damit das Fahrrad wirklich zur ersten Wahl wird? Fang doch gleich mal du an, Frank, du hast ja jetzt schon an die
00:27:18: **Frank Regge:** Toleranz
00:27:19: **Thomas Dorsch:** formuliert.
00:27:20: **Frank Regge:** Bei meinem Wort von der Niedrigschwelligkeit, also wenn die Politik uns... Uns Nutzern uns Bevölkerung den Einstieg etwas niedrigschwelliger bereitet, auch vielleicht ein bisschen mehr die gesundheitlichen Aspekte des Fahrradfahrers hervorhegt, vielleicht etwas Kampagnen Heather sagt Kampagnen, also das, klar wissen wir dass Fahrradfahren gesund ist, nur es muss Bei manchen vielleicht noch bisschen mehr rein, dass das auch wirklich was Tolles ist und was Gesundes ist, mit dem man sich da bewegen kann. Und wenn das vielleicht mal angestoßen werden würde, wäre das ein Schritt. Dann die Radinfrastruktur ist ganz klar ein wichtiger Punkt. In anderen Ländern funktioniert es besser. Oder auch Städten, ja, wenn der politische Wille da ist. Das ist das eine. Und was mich angeht die Technik da kann ich euch sagen, die Technik haben wir heute und die sollte auch funktionieren um das Fahrradfahren möglichst einfach und trotzdem auch sicherer zu machen. Also Stichwort auch Blinker, was wir jetzt haben für alle Fahrräder. Das macht die Sache auch nochmal deutlich sicherer. Und wir müssen dafür sorgen als Industrie dass das auch gut funktioniert für jeden Nutzer. So, und... Also die Niedrigschwelligkeit, das wäre mein großer Appell für eine Verbesserung.
00:28:31: **Thomas Dorsch:** Das klingt gut. Und bei dir?
00:28:33: **Heather Kaths:** Ja, dann wäre mein Wort, was ist das auf Deutsch? Ein System an sich funktioniert, dass wir ein Fahrradnetz haben, was wirklich durchgängig ist, dass man wirklich, egal von wo man geht bis wo, dass man die Möglichkeit hat, entweder das Fahrrad mitzunehmen auf der öffentlichen Verkehr oder selber lange Strecken zu fahren mit einem S-Pedelec, dass das System wirklich funktioniert, dass ein Fahrrad... Wo das Sinn macht, eine machbare Möglichkeit ist und für nicht nur die Menschen, die in Münster und München wohnen sondern auch die Menschen, die in Wuppertal und Stuttgart wohnen so wirklich deutschlandweit, dass alle ein Verkehrssystem haben, wo das ermöglicht ist, ohne zu sagen dass wir das System Autoverkehr wirklich Überall abbauen müssen. Das ist ein System, das über Jahre sehr gut funktioniert an vielen Stellen, aber ein bisschen mehr Balance zum Fahrradverkehr oder zum Fußverkehr und definitiv zum Öffentlichverkehr wäre natürlich wünschenswert.
00:29:46: **Hans Dorsch:** Okay, also... Durchgängigkeit Niederschwelligkeit und Durchlässigkeit, Balance zwischen den Verkehrsmitteln. Ja, klingt gut. Vielen Dank. Gerne
00:30:04: **Heather Kaths:** danke schön.
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